Samstag, 15. September 2007

Ihr Frauen seid selber Schuld!

Wer ist schuld an der Kinderarmut in der deutschen Gesellschaft? Die Frauen natürlich. Das meint jedenfalls Eva Herman. Ihrer Meinung nach "sollen sich Frauen wieder mehr auf ihre Kinder als auf ihre Karriere konzentrieren und die Aufgabe der Frau sei unter anderem dem "Mann ein schönes Heim zu bereiten" (siehe oben).

Jegliche feministischen Bestrebungen, die Frauen in ihrer Funktion als Arbeitskraft aus den deutschen Haushalten herauszuholen, seien der Auslöser für unseren Gesellschaftsschwund zu sein. Horrorszenarien umkleiden die These. Frauen haben zuviel gewagt, sie können den "Spagat zwischen Familie und Beruf " (http://www.bild.t-online.de/BTO/leute/aktuell/2006/09/03/
eva-herman-interview/eva-herman-frauen-diskussion-interview.html ) oft nicht schaffen.

Die Frauen haben sich zuviel aufgebürdet, in dem sie sich der Doppelbelastung durch Arbeit und Kinder gestellt haben. Es liegt nicht an strukturellen Vorgaben von Gesetzen, Regelungen und Firmenpolitiken, nein, die Frau ist und bleibt schuld. Was strebt sie auch nach Selbstverwirklichung und denkt erst mit Ende 20 über einen zeugunswilligen Mitbuhler nach, ohne sich gleich festzulegen.

Weitere Diskussionen rankten sich um die Aussage "es sei eine weibliche Fähigkeit, ein Heim
gemütlich zu gestalten. 'Dafür sind wir zuständig', sagte sie damals" (reference?). Aber wie
begründet sie dies? Zieht sie Biologen zu Rate? Hat sie Studien analysiert? Wie sind ihre
Argumente aufgebaut, das ist das Wichtige an der ganzen Sache.

"In einem Gespräch mit Bild am Sonntag erklärte Herman, dass sie sich falsch
verstanden fühle, sie wollte lediglich zum Ausdruck bringen, dass es sogar im Dritten Reich
Werte wie Familie, Kinder und Mutterschaft gab, die die Emanzipation der 68er-Generation
zunichte gemacht habe."
(http://magazine.web.de/de/themen/unterhaltung/kultur/kulturnews/
4603836-NDR-trennt-sich-von-Eva-Herman-nach-ihren-Aeusserungen-ueber-die-NS-Zeit,page=0.html
(Sa, 15.09.2007 2:40 Uhr))
In den Medien wird alles was sich nicht kritisch mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzt
geächtet und aus jeglichen Debatten verbannt. Zurecht, es soll schließlich keine Werbung gemacht werden für ein besiegtes falsches Ideologiemodell. Umso verständlicher auch die
Reaktion des NDR sich nach zitierter Aussage von Eva Herman zu trennen. Die Familienpolitik
der NS-Zeit. Dass Kinder und die Familie dort an höchster Stelle standen, gleich hinter der
Vaterlands- und Führerliebe war für Hermanns Argument wichtig, mehr nicht. Doch obwohl
dieser Fokus auf die NS-Zeit verantwortungslos ist, so denke ich, dass sich medial mehr damit
auseinanderzusetzen sein sollte. Vergleiche der Revolverblätter wie zum Beispiel die Betitelung
als "Eva Braun" sind dabei sehr unangebracht.

Eine öffentliche Debatte über die Geschichte und Vor- und Nachteile bestimmter
Modelle, erzählt von mehreren Historikern fehlt in der detuschen Fernsehlandschaft. Dort
könnten positive Details von Diktaturen hervorgehoben werden, die dennoch immer in
untrennbarer Beziehungen zu ihrer Zeit betrachtet werden. Im Falle Herman würde dies heißen
öffentlich über die Vorteile der Familienpolitik des Dritten Reichs referieren zu lassen um dann
zu hören, warum dieses Model einer intakten Kernfamilie in einem autoritärem System hörte
möglich oder eben nicht möglich wäre.

Aufklärung entsteht nicht aus Ignoranz!

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